Catherine reist jeden Sommer nach Brasilien um mehr und mehr von der facettenreichen Musikkultur dieses Landes und seiner Leute zu erfahren. Im Blog unserer Website wird sie uns an einigen ihrer Eindrücke und Geschichten der diesjährigen Reise teilhaben lassen – angefangen mit dem Aufenthalt in Pernambuco..

Olinda with Recife skyline“Es ist das erste Mal, dass ich nach Pernambuco reise, ganz neugierig auf die dortige Kultur! Ich wohne im historischen Teil von Olinda, umgeben von Kirchen und Klöstern, die von den Niederländern im frühen 17. Jahrhundert zerstört wurden und kurz darauf von den Portugiesen wieder aufgebaut wurden. Ich wanderte den Berg hinauf um den großartigen Ausblick zu genießen (die Skyline von Recife und all die kleinen Hügel und Kirchen dazwischen, und natürlich das Meer, das einen ins tropische Paradies lockt). Obendrein habe ich Tapioca mit Shrimps gegessen (eine Art Crêpe), und ein paar Holzschnitte mit Szenen aus Olinda gekauft von einem Mann der mit Fotos seiner Familie zeigte und einige alte Zeitungsartikel über ihn und seine Arbeit.

 

Mit dem Bus fuhr ich nach Recife und lief zum Paço do Frevo, wo ich ein tolles Mittagskonzert hörte, bei dem ich die Parallelen und Unterschiede zwischen Choro und diesem Stil vergleichen konnte – es ist wie gedopte Marschmusik! Pratos típicosIm obersten Stock des Museums werden die Karnevals-Banner der ortsansässigen Frevo Blocos aus vielen Jahren ausgestellt. Ein paar Freunde waren zufällig auch in der Stadt und wir trafen uns zum Mittagessen – ein Festmahl lokaler Spezialitäten: casquinha de siri, caldo de camarão, queijo coalho, aipim frito, so seidig wie Tofukissen, interessanter pimenta Wackelpudding mit Honig und natürlich eine Flasche eiskaltes Original, das ganze mit Blick auf den Ozean.

 
Am Samstag Abend nahm mich ein Freund mit zu einer Roda de Choro in der Bar Retalhos in Recife mit. Roda de Choro at Bar RetalhosAn dem Tag war der Geburtstag von Bozó, einem 7-saiten Gitarristen, und der Laden war voll. Nach circa einer Stunde feurigen Choros vom Hausquartett lud Bozó mich ein ein Stück zu spielen und behielt mich für fünf weitere auf der Bühne. Mit diesen Musikern zu spielen fühlte sich gemeinschaftlich, freundlich an – so wie es sich eben anfühlt bei einer guten Roda de Choro. Ich lerne den Akzent dieses Stils, während ich versuche das beizusteuern, was ich weiß und was ich fühle.

 
Nach dem Spielen unterhielt ich mich ein bisschen mit den Leuten in der Bar, darunter auch ein Paar, die Dozenten für Violine und Cello an der Staatlichen Universität von Pernambuco waren. Diese netten, kreativen Leute und ich hatten viel gemeinsam – die klassische Ausbildung und unser Interesse an der lokalen folkloristischen Musik. Am Montag ging ich zu ihrer Universität und gab ein bisschen Kammermusik Coaching und einen kleinen Choro Workshop.

 

Maracatú practice in OlindaWas ich außerdem noch gesehen habe: Eine Maracatú Probe auf Olindas Praça do Carmo, eine phantastische Ausstellung über Karneval „Mamulengos“ und die Kunst diese Puppen zu improvisierten Geschichten zu bewegen, Abilio Sobrals Laden mit Hunderten seiner Perkussions- und Saiteninstrumente und einen Nachtclub voller Leute, die alle synchron zu einer Band tanzten, die eine denkwürdige Mischung aus Samba und Reggae in ohrenbetäubender Lautstärke spielte.

Trotz der andersartigen Geschmäcker und Akzente war diese Erfahrung sehr typisch für meine Reisen durch Brasilien – ankommen ohne Erwartungen und interessante Aktivitäten und zwischenmenschliche Verbindungen entdecken. MamulengosEines der profundesten Erlebnisse, die ich hatte, war folgendes: Als ich von einem langen Ausflug an der Küste zurückkam, hielt ich an einem Feld an wo Hunderte ausgesetzter Katzen lebten und unterhielt mich eine Stunde lang mit der Frau, die die Katzen fütterte. Wann immer sie konnte, brachte sie einzelne Tiere zum Arzt, aber anders als in Rio gibt es hier keine Organisation, die streunende Tiere kostenlos kastriert. Sie weinte als sie über die Katzen sprach. Wir wollten nichts vom anderen; wir waren zwei Fremde, die in diesem Moment zusammentrafen, Worte fanden um Dinge auszudrücken, die uns etwas bedeuteten, und wenn uns die Worte fehlten, ließen wir uns schlichtweg von den Empfindungen ergreifen.

 

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